August 2019 - 4 MIN Lesedauer

Im Gespräch mit Franz Althuber – mit Morbus Crohn auf die 10 höchsten Berge Österreichs

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Franz Althuber aus Eben im Pongau im Salzburgerland ist ein Bergsteiger mit Leib und Seele. Seit 15 Jahren hat der 34-jährige studierte Historiker allerdings mit einem Handicap zu kämpfen, das ihn mal mehr, mal weniger in seiner Leistungsfähigkeit einschränkt. Nach monatelangen Bauchschmerzen und einer damit einhergehenden Gewichtsabnahme um die 15 Kilogramm in nur einem Monat stand für Franz mit 19 Jahren die Diagnose: Morbus Crohn. Das ist eine bislang unheilbare chronisch entzündliche Darmerkrankung. Ende Juni 2019 bestieg Franz trotz allem den Vorderen Brochkogel im Ötztal, der mit 3.565m der neunthöchste Berg Österreichs ist. Damit erklomm der Pongauer den letzten der zehn höchsten Gipfel in Österreich. Wie er auf die Idee kam, die zehn höchsten Berge Österreichs zu besteigen, wie es ihm bei seinem letzten Aufstieg ergangen ist und was er mit seinen Videodokumentationen bezwecken will, erzählt er uns exklusiv in einem persönlichen Gespräch.

 

 

Hallo Franz. Du bist leidenschaftlicher Bergsteiger, wie bist du zu dem tollen Hobby gekommen?

 

Ich bin zwar seit meiner frühesten Kindheit oft mit meinen Eltern für Wanderungen in den Bergen gewesen, die Liebe zum klassischen Bergsteigen entdeckte ich aber erst später. Meine Highlights in der Jugend waren der Hochkönig mit 2.941m über den Normalweg oder die Torsäule, die ich selbstständig bestieg. Das waren damals schon herausfordernde Touren für mich. Genau dieses Abenteuergefühl hat mir dabei aber gefallen. Gerade in der Zeit, in der ich auf den Geschmack von anspruchsvolleren Bergtouren gekommen bin, bekam ich die Diagnose Morbus Crohn.

 

 

Wie ging es dir nach der Diagnose und wie lebt man mit einer bisher unheilbaren Krankheit?

 

In den ersten Jahren nach der Diagnose hatte ich mit immer wiederkehrenden Schüben und einer damit einhergehenden Arthritis zu kämpfen. Diese sorgte dafür, dass ich praktisch keinen Sport mehr betreiben konnte. Nach 3-4 Jahren des Versinkens im Selbstmitleid suchte ich einen Ausweg aus diesem Teufelskreis. Ich realisierte irgendwann, dass ich zwei Optionen in meinem Leben habe: so weiter machen wie bisher, oder mein Leben selbst in die Hand nehmen und was daraus machen. Die zweite Option hat mir wesentlich besser gefallen. Ich versuchte mich für Sachen zu motivieren, die mir Spaß machen. Damals war das mein Geschichtsstudium, das absolvierte ich dann sogar mit Auszeichnung und in Mindeststudienzeit. Nach dem Studium ging ich aus beruflichen Gründen nach Wien. Hier hatte ich aber immer wieder mal mit kleineren Rückschlägen, die durch meinen Morbus Crohn bedingt waren, zu kämpfen. Durch fast 10 Jahre ohne Sport und mit jeder Menge Medikamente hatte ich auch ziemlich zugelegt. 95 Kilo, ungefähr 20 mehr als heute, wog ich damals.

 

 

Was hat dich dazu gebracht, wieder Sport zu treiben?

 

Ich verbrachte damals einmal wieder 2 Wochen Urlaub in meiner Heimat und ging mit meinem Vater auf meinen Hausberg, den Gerzkopf. Ich war völlig durchgeschwitzt, obwohl die Tour weniger als 600 Höhenmeter hat. Die Glücksgefühle beim anschließenden Sonnenaufgang am Gipfel haben mein Herz allerdings höher schlagen lassen. Mit Muskelkater bin ich an jedem weiteren Tag auch noch eine Tour gegangen. Die Highlights dabei waren sicherlich das Mosermandl, sowie wieder mal die Torsäule und der Hochkönig. Diese Tage haben die Sehnsucht nach meinem geliebten Salzburgerland wieder geweckt und ich zog schließlich wieder in die Heimat. In meinem ersten Winter daheim waren gleich ein paar lässige Skitouren dabei. Sogar die ersten Skihochtouren folgten, sowie 2 Hochtourenkurse über den ÖAV. Ein Highlight im Frühjahr 2016 war die Skitour auf den Großvenediger und ein gutes Monat später bestieg ich mit Schneeschuhen den Großglockner.

 

 

 

Franz Althuber im Mai 2017 auf dem Großglockner

 

 

 

Das ist schon ziemlich beeindruckend. Wie entstand dann das große Ziel alle 10 höchsten Gipfel Österreichs zu besteigen ?

 

Damals waren die höchsten Berge Österreichs für mich in meiner bergsteigerischen Persönlichkeitsentwicklung interessant. Die Liste der zehn höchsten Gipfel war jedoch ein für mich nahezu unerreichbares Ziel. Spätestens an der Glocknerwand würde es scheitern. Im Laufe der Zeit bestieg ich einfach viele weitere Berge, mittlerweile werden es wohl an die 200 Dreitausender und mittlerweile über 20 Viertausender sein. Ich entwickelte mich bergsteigerisch und mit Skitouren durchgehend weiter. Ich versuchte, das Level nur langsam und dafür mit vielen Touren zu steigern, sodass ich mir viel Erfahrung aneignen konnte. Mittlerweile habe ich vermutlich schon 1000 anspruchsvolle Bergtouren hinter mir und einen großen Erfahrungsfundus aufgebaut.

 

 

links oben: Watzmannüberschreitung, rechts oben: der erste 4000er: Gran Paradiso 2017 links unten: Franz‘ erster 3000er: Kruckelkopf im Juni 2015, rechts unten: Übergang vom Piz Bianco auf den Piz Bernina

 

 

Wie erging es dir bei der letzten Tour auf den Brochkogel?

 

Erst am 14. Juni wurde ich nach drei Morbus Crohn geschuldeten Operationen, darunter einer Abszessöffnung, aus dem Krankenhaus entlassen. Kaum Zuhause angekommen ging ich mit Drainage in mir ca. 600 Höhenmeter auf den Gerzkopf. Am übernächsten Tag folgte der Rötelstein mit über 900 Hm, zwei Tage darauf der Donnerkogel mit 1200 hm. Das sollte mein Training für die kommende Tour sein. Die Wetterprognose für das Ötztal war fantastisch und ich erinnerte mich, dass mir von den zehn höchsten Gipfeln Österreichs nur noch der Vordere Brochkogel fehlt. Der Plan war dann bald gefasst: Aufbruch von Vent durch’s Niedertal auf die Fineilspitze, Abstieg zum Hochjoch Hospiz und dort Zusammenkunft mit meinem Kollegen. Am nächsten Tag über die Guslarspitzen zur Breslauer Hütte und am dritten Tag von der Breslauer Hütte auf den Vorderen Brochkogel. Damit stand mir und uns eine gewaltige Runde bevor. Wie es mir auf der Fineilspitze und am zweiten Tag über die Guslarspitzen ging, könnt ihr in den Videodokus dazu sehen.

 

 

 

 

Mit einem Schlafdefizit und dementsprechender Müdigkeit ging es am dritten Tag des Ausflugs gemeinsam auf den Brochkogel rauf. Ihr könnt ab sofort das Video dazu anschauen. Eine Erinnerung, die nicht im Video vorkommt, verrate ich euch: kurz vor dem Gipfel war ein ausgesetzter Grat extrem überwechtet, darunter brüchiges Absturzgelände. Da dachte ich, ich muss – wie schon früher so oft – kurz unterm Gipfel umkehren. Es gab nämlich nur zwei gefährliche Auswege: über die Wechte drüber und einen Wechtenbruch riskieren oder in die Bruchflanke absteigen und im losen Gestein im Absturzgelände herumkraxeln. Der zweite Weg war für uns der bessere, von zwei schlechten Varianten. Die Option des Umkehrens zogen wir nicht in Betracht, weil wir trittsicher sind und außer uns niemand unterwegs war, der uns durch Steinschlag gefährden hätte können.

Wer sich die Touren auf meinem YouTube Kanal anschauen will, ist dazu herzlich eingeladen. Ich habe für euch eine Playlist erstellt, in der die Touren chronologisch ablaufen. Ich freue mich auch über jedes konstruktive Feedback, damit ich meine Inhalte stetig weiterentwickeln kann.

 

 

Euer Kanal beheimatet mittlerweile die größte Bergsportcommunity in Österreich. Wie bist du darauf gekommen, deine Touren zu verfilmen und auf Youtube hochzuladen?“

 

Inspiriert hat mich Willy Kreuzer, der nach dem Motto „Planen – Durchführen – Dokumentieren“ gelebt hat. Das dokumentieren ist mir als Historiker besonders wichtig. Aktuelle Verhältnisse zu eruieren und Touren richtig einzuschätzen lernte ich außerdem durch YouTube-Videos. Genau solche Aufnahmen von meinen Touren wollte ich auch an die Welt weitergeben. Damals haben die YouTuber noch nicht mit dem Publikum gesprochen, dementsprechend habe ich auch alles unkommentiert und mit Songs hinterlegt hochgeladen. Bis Februar 2018 dürfte ich wohl etwas mehr als 50 Videos hochgeladen und 300 Abonnenten, die meinen Kanal verfolgten, gewonnen haben.

Im Februar 2018 sind ein Kollege und ich bei einer (Extrem-)Skitour durch die Göll-Ostwand 400 Höhenmeter und einen Längenkilometer in die Tiefe gestützt. Mit großem Glück und durch die professionelle Hilfe der Rettungskräfte überlebten wir beide den Unfall. Noch in der Intensivstation erreichte mich negative Kritik aus meinem persönlichen Umfeld. Der Konsens war, dass ich nicht vorbildlich unterwegs und auf meinen unkommentierten Videos ein „wahnsinniger Hasardeur“ sei. Ich entschloss mich dazu, meinen Kanal vorübergehend zu deaktivieren und eine Zeit der Reflexion einzuleiten. Nach einiger Zeit benannte ich den Kanal um in „Alpine Momente“ und hatte Ende Mai letzten Jahres 290 Abonnenten. Ich stellte meine ersten größeren Bergtouren nach meinem Unfall auf die Plattform, kommentierte ab nun alles und erzählte meinen Abonnenten, was passiert ist. Ab nun folgte Interaktion mit meinen Zuschauern. Das macht irrsinnig viel Spaß, die Community befindet sich momentan außerdem in einem irrsinnigen Wachstum.

Heuer, am 26. Juni bestieg ich am dritten Tag des Ausflugs ins Ötztal den Vorderen Brochkogel. Mit einer Höhe von 3.565m ist er der neunthöchste Berg Österreichs. Kurz bevor ich ins Ötztal fuhr, bemerkte ich, dass ich alle 9 weiteren Gipfel auch verfilmt habe (einige davon sogar mehrmals). Damit war für mich klar, dass das etwas Einzigartiges ist, das bisher noch niemand gemacht hat. Genauso wie Willy wollte ich meine Bergabenteuer auch weitergeben. Mittlerweile betreibe ich den größten österreichischen Bergsportkanal auf YouTube

 

 

Was sind nach den höchsten 10 in Österreich nun deine nächsten Pläne?

 

Nun habe ich alle Gipfel aus dieser Liste bestiegen, habe jede Tour fotografisch und filmisch festgehalten und bin im Besitz eines riesigen Medienfundus. Was also tun? Für mich ist klar, dass ich aus diesem einzigartigen Material, aus diesen einzigartigen Geschichten, die bei diesen Touren passiert sind, einen Film machen muss. Ich werde eine Dokumentation dazu produzieren und will meine YouTube Community in diese  miteinbinden. Auf meinem Kanal habe ich einen Trailer zu Österreichs Top 10 veröffentlicht, wo jeder Zuschauer bis 15. August einbringen kann, was er in dieser Doku gerne sehen will. Danach werde ich den Input lesen und anhand dessen versuchen, eine auf meine Community maßgeschneiderte Produktion zu veröffentlichen. Mit meinen Videos und meiner Geschichte möchte ich Menschen motivieren, das Positive zu sehen und nach vor zu schauen. Ich möchte, dass wahrgenommen wird, was alles möglich ist, wenn man nur dran glaubt.

 

Besonders freuen würde ich mich, wenn meine positive Message von euch raus in die Welt getragen wird. In diesem Sinne wünsche ich jeder und jedem von euch das Beste, sowie immer wieder eine gesunde Heimkehr aus den Bergen.

 

 

 

YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/c/AlpineMomente

 

Link zum vollständigen Ötztal-Abenteuer: https://www.youtube.com/playlist?list=PLoXkJ653tbiAzXqhSvK1V3d6amHpWjrpq&playnext=1&index=1

 

Die in Kooperation mit Freunden betriebene Facebookseite: https://www.facebook.com/AlpineMomente

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